SPOTIFY FÜR MUSIKER UND LABELS - DER ULTIMATIVE GUIDE

KAPITEL 2: WIE VERDIENE ICH GELD MIT SPOTIFY?

Der Durchbruch im Musikgeschäft kommt leider in den wenigsten Fällen über Nacht. Dennoch ist es heute deutlich einfacher, auch ohne ein großes Label Geld mit Musik zu verdienen. Es stimmt zwar, dass die Einnahmen pro Stream relativ gering sind, aber mit dem richtigen Marketing, der richtigen Release Strategie, den passenden Playlists und der richtigen PR, können auch unabhängige Musiker erfolgreich sein und ihre Karriereziele erreichen. In Bezug auf Spotify heißt das dann eben: möglichst viele Streams, Playlisten Einträge und Follower. In diesem Kapitel werfen wir einen Blick auf das Thema Tantiemen und erklären dir alles, was du über das Geldverdienen auf Spotify wissen musst.

2.1 WAS SIND DIE UNTERSCHIEDE ZWISCHEN DEN VERGÜTUNGEN FÜR AUFFÜHRUNGSRECHTE BZW. FÜR MECHANISCHE VERVIELFÄLTIGUNGSRECHTE UND DEN EINNAHMEN FÜR STREAMS?

Um zu verstehen, wie du auf Spotify Geld verdienen kannst, musst du zunächst wissen, wie Einnahmen in der Musikindustrie ausbezahlt werden. Um es grob herunterzubrechen, gibt es zwei Einkommensquellen, die dir durch Spotify zur Verfügung stehen:

  • Tantiemen aus den Rechten an deinen Aufnahmen in Form von Einnahmen aus Streams. Wenn du unabhängig von einem Label veröffentlichst, werden diese Einnahmen direkt an deinen digitalen Musikvertrieb weitergeleitet.
  • Einnahmen aus den mechanischen Vervielfältigungs- und Aufführungsrechten, die dem Komponisten, Texter und Verlag jedes Liedes ausgezahlt werden. Dies passiert entweder über eine Verwertungsgesellschaft — z.B. GEMA (DE) oder SUISA (CH) — oder über einen Verlag, der die Einnahmen für dich einsammelt (falls du einen Publisher hast). In der Vergangenheit kamen diese Einkünfte hauptsächlich vom Verkauf von physischen Aufnahmen wie CDs und Schallplatten. Heute zählen aber auch private Streams dazu. Wenn du dir nicht sicher bist, welche Verwertungsgesellschaften in deinem Land tätig sind, dann schau dir diese Liste an.
  • Und woher weiß ich jetzt, was was ist? Ein gutes Beispiel ist sicherlich Whitney Houstons "I Will Always Love You". Whitney hat den Song mit Sony Music — ihrem damaligen Label — aufgenommen. Sony Music besitzt dementsprechend die Masterrechte des Songs und erhält daher die Tantiemen für die Streams. Zugleich erhält allerdings Dolly Parton, die die Komponistin und Texterin des Titels ist, die Tantiemen für mechanische und öffentliche Aufführungen über ihre Verwertungsgesellschaft oder ihren Publisher.

    Wenn du dein Material selbst veröffentlichst und selbst schreibst, bist du zugleich Label und Songwriter. Das bedeutet, dass du sowohl die Masterrechte als auch die Rechte für mechanische Vervielfältigung und Aufführungen besitzt. Dementsprechend erhältst du aus beiden Quellen Tantiemen. Wenn du in einer Band bist, solltest du die Aufteilung der Rechte unbedingt vor der Veröffentlichung klären, damit es hier im Nachhinein nicht zu rechtlichen Streitereien kommt.

    Wenn deine Musik von einer Plattenfirma veröffentlicht wurde, kann es sein, dass diese auch die Masterrechte besitzt und daher die Tantiemen erhält, die du auf Spotify, Apple Music, Amazon und jeder anderen Plattform verdienst. Wenn du der Komponist und/oder Texter bist, erhältst du die Einnahmen aus mechanischer Vervielfältigung und Aufführungen in der Regel von deiner Verwertungsgesellschaft.

    In einigen Ländern müssen Plattformen wie Spotify einen Teil ihrer Einnahmen direkt an die Verwertungsgesellschaften, wie die GEMA in Deutschland oder SUISA in der Schweiz, abführen.

    Aber was passiert mit den von der Verwertungsgesellschaft eingesammelten Gebühren? Zusammen mit anderen Einnahmen, z.B. aus Radio- und TV-Plays, landen diese auf dem Konto der jeweiligen Gesellschaft und warten dort auf Abholung. Bitte beachte, dass die Verwertungsgesellschaften Gebühren erheben, die von deinen Einnahmen abgezogen werden.

    Wie bereits erwähnt, unterscheiden die Verwertungsgesellschaften zwischen zwei Arten von Einkünften:

  • Gebühren für die Aufführung
  • Gebühren aus mechanischer Vervielfältigung
  • Zu den Aufführungsgebühren zählen alle Einnahmen aus der öffentlichen Nutzung von Musik. Dies schließt auch das Spielen des Songs auf einem Radiosender, in einem Restaurant oder einer Bar mit ein. Und natürlich müssen Veranstalter auch für Live Auftritte Gebühren an die SUISA und GEMA bezahlen.

    Ob eine Mitgliedschaft bei einer Verwertungsgesellschaft Sinn macht oder nicht, hängt im wesentlichen von den zu erwartenden Einnahmen ab. Bei einigen Verwertungsgesellschaften musst du als Mitglied einen jährlichen Mitgliedsbeitrag zahlen. Eine Mitgliedschaft lohnt sich vor allem dann, wenn du viele Streams oder Radio Plays erwartest, dein Musikvideo im Fernsehen gezeigt wird oder einiges an Live Auftritten ansteht.

    Wie viel der Komponist, Texter oder Musikverleger pro Minute und Stream erhält ist von Land zu Land unterschiedlich. Einige Verwertungsgesellschaften, wie STIM in Schweden zum Beispiel, bieten hierzu relativ detaillierte Infos.

    Es kommt übrigens nicht darauf an, aus welchem Land du kommst. Du kannst selbst wählen, bei welcher Verwertungsgesellschaft du Mitglied werden möchtest. Lies dir auf alle Fälle die jeweiligen Konditionen (besonders Transferkosten zwischen den Gesellschaften, Mitgliedsbeiträge etc.) durch und sieh, was am besten zu deinen Vorstellungen passt.

    Ein Beispiel: Du hast eine Metal Band, ihr seid aus Bielefeld und tourt regelmäßig in Schweden. Ihr habt dort eure größte Fanbase und auf Spotify kannst du sehen, dass eure Hörer hauptsächlich aus Göteborg, Malmö und Stockholm kommen. In diesem Fall könnte es sich für euch lohnen, bei STIM in Schweden Mitglied zu werden, da dann einiges an Transferkosten wegfällt und die Mitgliedsbeiträge niedrig sind. Achtung allerdings: euer Verkaufsbericht wird dann auf schwedisch und die Abrechnung in Kronen sein.

    2.2 WIE BEZAHLT SPOTIFY KÜNSTLER?

    Spotify bezahlt die Künstler nicht direkt für ihre jeweiligen Streams. Ebenso wie Musiker den Service eines digitalen Musikvertrieb nutzen, um ihre Musik auf Spotify zu veröffentlichen, wird auch die Bezahlung über den Vertrieb geregelt.

    Spotify überweist deinem Musikvertrieb circa 3-4 Monate nach den erfolgten Streams die jeweiligen Einnahmen, die du dann in deinem Kundenkonto einsehen und auf dein Girokonto (oder Paypal) überweisen lassen kannst. Bei iMusician gibt es keinen Mindestbetrag für Auszahlungen.

    Wenn du einen Spotify for Artists Account hast — was an dieser Stelle wärmstens empfohlen sei — kannst du deine Streams sogar mitverfolgen. Ein Stream zählt dann als solcher, wenn ein Track für 30 Sekunden oder länger angehört wurde. Alles darunter wird nicht mitgezählt.

    2.3 WIE VIEL BEZAHLT SPOTIFY MUSIKERN PRO STREAM?

    Wie viel die Streaming Plattformen pro Stream bezahlen, ist die Gretchenfrage der digitalen Musikindustrie. Dies ändert sich nämlich in regelmäßigen Abständen und hängt von der Zahl der Abonnenten im jeweiligen Land, sowie der Gesamtmenge von Streams auf der ganzen Plattform in diesem Land ab. Hinzu kommt auch noch, dass Spotify zwischen Spotify Premium, Family, Free etc. unterscheidet.

    Eine der aktuellsten Aufschlüsselungen über die Einnahmen pro Stream bietet Digital Music News. Das Online-Magazin aktualisiert den Beitrag regelmäßig und ist generell eine empfehlenswerte Informationsquelle für Musiker. Bitte beachte, dass diese Zahlen nicht von Spotify kommen, sondern von Künstlern, die dem Magazin Einsicht in ihre Einnahmen gegeben haben.

    Laut dem Magazin (Stand: 2018) bezahlt Spotify durchschnittlich 0.00437 US$ pro Stream. Wie eben erwähnt, zählen nur Tracks die mindestens für 30 Sekunden abgespielt werden. Wie Digital Music News beispielhaft vor rechnet, braucht ein Musiker circa 336,842 Streams, um Einnahmen in Höhe von 1.472 US$ zu erzielen (was in etwa dem monatlichen Mindestlohn in den USA entspricht) — nicht unbedingt auf Anhieb ein Money-Maker. Hier heißt es Geduld haben, besonders wenn du als Musiker noch am Anfang deiner Karriere stehst. Bei iMusician schätzen wir, dass unsere Künstler circa 4.000 US$ pro eine Million Streams verdienen.

    Du solltest aber immer im Hinterkopf behalten, dass deine Streams pro Land variieren. Beispielsweise hat Schweden eine höhere Abonnentendichte, weshalb du dort mehr Geld pro Stream verdienen wirst als zum Beispiel in einem Land wie Indien, wo der Markt noch im Entstehen begriffen ist und Spotify daher weniger Abonnenten hat.

    Dennoch: dank digitalem Musikvertrieb sind besonders Indie-Künstler heute in der Lage, ihre Fans zu erreichen, ohne auf ein Musiklabel angewiesen zu sein oder für aufwändige Vinyl- oder CD-Pressungen direkt in die Miesen zu gehen. Es ist ihnen zudem sogar möglich, weltweit neue Fans dazu zu gewinnen, da die digitalen Grenzen zunehmend verschwimmen.

    Was das Streaming für langfristige Konsequenzen für die Einnahmen hat, die die Künstler in Zukunft generieren können, bleibt abzuwarten. Daher heißt es: immer neue, kreative Wege finden, um Hörer dazu zu gewinnen.

    2.4 WARUM BRAUCHE ICH EINEN MUSIKVERTRIEB, UM MEINE EINNAHMEN VON SPOTIFY ZU ERHALTEN?

    Wie bereits erwähnt, vertraut Spotify auf professionelle digitale Musikvertriebe zum Upload musikalischer Veröffentlichungen. Dies hat den Grund, dass die Plattform die Artwork- und Audioqualität auf diese Weise optimal sichern kann. Zum anderen werden die Metadaten damit korrekt übermittelt. Da im Streaming Business alles über die Metadaten — wie den Angaben zu Komponist, Publisher oder Texter — läuft, ist dieser Punkt auf keinen Fall zu unterschätzen. Schließlich sollen die Einnahmen ja auch bei der richtigen Person landen.

    Diese Metadaten beinhalten darüber hinaus auch die ISRCs, die dabei helfen, Streams plattformübergreifend zu erfassen — ein Muss für die Ermittlung von Chart Positionen und von wichtiger Bedeutung für die Algorithmen der Plattformen. Gleichzeitig sind die ISR Codes dafür da, die Einnahmen aus den Streams zu zentralisieren. Deinem Vertrieb ist es damit möglich, Einkünfte zuzuordnen und Auszahlungen zu tätigen.

    2.5 KANN ICH STREAMS AUF SPOTIFY DAZU KAUFEN?

    Unter keinen Umständen solltest du versuchen, mit deinen Streams zu tricksen. Dies gilt als Betrug, der mit Gefängnis und hohen Geldstrafen geahndet werden kann. Und da Spotify eines der größten Technologieunternehmen der Welt ist, verfügt es über die nötigen Ressourcen, um Ungereimtheiten sofort zu bemerken. Betrüger werden also auf jeden Fall früher oder später aufgedeckt.

    Natürlich wird es noch keinen Ärger geben, wenn du dein Album einige male pro Tage durchspielst. Es gibt mittlerweile allerdings auch viele dubiose Firmen, die Stream-Generierung gegen Bezahlung anbieten. Die Tracks werden dann einfach von Computern abgespielt, in der Regel 31 Sekunden pro Track. Wenn Spotify feststellt, dass ungewöhnliche und willkürlichen Wellen an Streams auftauchen — am besten noch aus völlig unzusammenhängenden Quellen — wird Spotify schnell hellhörig und pausiert, bzw. löscht solche Veröffentlichungen. Werden einem Künstler Verstöße nachgewiesen, wird Spotify die jeweilige Behörde vor Ort informieren, generierte Einnahmen einfrieren und den Künstler vermutlich für jegliche zukünftige Releases sperren — nicht unbedingt ein guter Look für einen aufstrebenden Musiker.