Wie du das ultimative Compilation-Album erstellst

Die Zusammenstellung und Veröffentlichung deiner eigenen Compilation ist ein hervorragender Weg, um ein Netzwerk aufzubauen und deine Fähigkeiten zu teilen

Erklärt am Beispiel des Berliner Projekts Alphaville

Compilations, auch Sampler genannt, enthalten bereits veröffentlichte oder noch ungehörte Stücke von einem oder mehreren Künstlern. Meist werden diese durch eine thematische oder musikalische Klammer zusammengehalten, beispielsweise bei ‚Greatest Hits’, ‚Best Of’-Alben, Labelsamplern, Weihnachtslieder-Compilations oder Zusammenstellungen aus den aktuellen Charts. Und da es im digitalen Zeitalter immer einfacher wird, Musik aufzunehmen und zu veröffentlichen, verlieren die bisherigen Regeln und Einschränkungen zunehmend an Bedeutung.

Mixtapes – aus Liebe zur Musik

Die älteren unter uns werden sich daran erinnern, wie viel Spaß es gemacht hat, für seine Freunde Musikkassetten zusammenzustellen, die einen thematischen roten Faden verfolgen und dessen A- und B-Seite einen möglichst kontinuierlichen Fluss an Musik aufweisen sollten. Später wurden diese von Mix-CDs abgelöst, welche wiederum durch digitale Playlisten ersetzt wurden. Bei einem richtigen Compilation-Album geht es vor allem darum, ein echtes Gesamtkunstwerk zu schaffen. Das Netz ist voll von Musikblogs aller erdenklicher Genres, die regelmäßig digitale ‚Mixtapes’ zusammenstellen, um ihre Leserschaft über die spannendste aktuelle Musik da draußen auf dem Laufen zu halten. Und da wirklich jeder so einfach eine Compilation veröffentlichen kann, solltest du dich fragen, welchen Effekt du mit der deinigen erzielen willst. Wodurch würde sie sich von anderen abheben, und wie kann sie dir als Independent-Künstler in deiner Nische helfen?

Wer hat was davon?

Einen eigenen Sampler zusammenzustellen und zu veröffentlichen ist eine großartige Maßnahme, um dich zu präsentieren, Neues hinzuzulernen, dein Netzwerk zu erweitern und deine Beziehung zu befreundeten Musikern, deiner Szene und deinen Fans zu vertiefen. Mit jeder Compilation, an der du beteiligt bist, lernst du neue Leute kennen. Je breiter diese anderen Künstler musikalisch aufgestellt sind, desto mehr Potenzial, neue Zuhörerschaften zu erschließen, liegt in dem Unterfangen. Vielleicht läuft es sogar darauf hinaus, dass du mit anderen Künstlern neue Projekte gründest und sich neue Möglichkeiten auftun. Zum Beispiel könnt ihr gemeinsam eine Record Release Party für den Sampler veranstalten, und das lohnt sich schon allein dafür, um mit Fans, Musikern, Produzenten, Booking- und Labelagenten in Kontakt zu kommen. Ist die Compilation auf Kooperation hin konzipiert, werden sich spannende neue Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit anderen auftun.

Alphaville – eine kollaborative Compilation

Als Beispiel für einen gelungenen Sampler schauen wir uns ein Berliner Projekt namens Alphaville an. Alphaville ist ein Berliner Gebäude (dessen Besitzer hat es nach der 80er-Jahre-Band benannt), in dem Produzent Matteo Tambussi sein Studio betreibt. Alphaville ist ebenfalls der Name dieses Studios sowie der einer neuen und äußerst spannenden Compilation. Das kollaborative Konzept dahinter macht es so einzigartig und interessant. Jeder beteiligte Künstler, ob in Berlin angestammt oder auf der Durchreise, nahm direkt im Alphaville-Studio einen seiner Songs bei Matteo auf. Nachdem dieses Grundgerüst gelegt war, begann Matteo dann mit der eigentlichen Produktion, fügte Instrumente, Beats, Percussion, Arrangements und Backing Vocals hinzu. Das Ambiente der Alphaville-Studios sowie Matteos spartanische Aufnahmetechnik bringen die überaus diversen vertretenen Stilistiken und Performances zusammen, sodass sich bei aller Verschiedenheit ein homogenes Ganzes ergibt. Normalerweise sind auf einem Sampler Stücke vertreten, die in einer Vielzahl von verschiedenen Aufnahme-Settings eingespielt worden sind. Dieser bildet unter diesem Aspekt eine Ausnahme, da alle Stücke an einem Ort und unter einem Produzenten entstanden, was ihm eine homogene und konsistente Klangfarbe verleiht.

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Was motiviert dich?

Eine Compilation zu machen mag zuerst wie eine monumentale Aufgabe erscheinen. Um das durchzustehen, solltest du dir vor Augen führen, was deine Motivation dahinter ist. Wie sah das bei Matteo aus – wie kam er auf die Idee und was hat ihn bewogen, so viel Zeit und Arbeit in ein derart herausforderndes Projekt zu stecken? Zu dem Zeitpunkt war er an einem Punkt in seiner Karriere angelangt, wo er sich selbst unsicher war über den eingeschlagenen Weg als Songwriter, Musiker und Produzent. Er verspürte das Bedürfnis, etwas zu tun, was nichts mit seinen eigenen Songs zu tun hatte. Eines Abends hörte er bei einer Open Mic Night einen Freund singen, und dabei schwebten ihm zu dessen Songs alle Arten von Arrangements vor. Also lud er diesen Freund zu sich ein und machte mit ihm eine ziemlich direkte Aufnahme mit einem sehr reduzierten Arrangement. Matteo merkte in diesem Prozess, wie viel Spaß er daran hatte, mit der Musik von anderen zu arbeiten, und dass diese spielerische und spontane Herangehensweise auch seine eigene Kreativität wieder beflügelte. An der Musik von anderen zu arbeiten, eröffnete ihm neue Perspektiven. Nachdem er diese Einsicht hatte, begann er, gezielt nach anderen Musikern in der Szene zu suchen, von denen er dachte, dass sie gut zu dem Projekt passten und dass ihre Musik seine Fähigkeiten als Produzent fördern würde.

Die letzten Schritte

*Die Alphaville-Compilation umfasst nun 18 Stücke von 18 Künstlern. In anderen Worten: es ist ein Doppelalbum geworden! Eines der *größten Herausforderungen bei Arbeiten von verschiedenen Künstlern ist es, das Mastering perfekt zu bekommen*. Matteo beispielsweise hatte sich ganze sieben unterschiedliche Mastering-Varianten der 18 Tracks wieder und wieder angehört, bevor er sich für das letztendliche Master entschied, das er auf iMusician Digital hochlud (iMusician begleitet und unterstützt die Veröffentlichung des Alphaville-Samplers). Wie viele Musiker wissen, kann es einen echt wahnsinnig machen, sich für das finale Mastering zu entscheiden. Zum Glück für uns ist er nicht dem Wahnsinn verfallen und hat sich schließlich für eines entschieden. Das Album wird am 10. Dezember offiziell veröffentlicht, und mit einer standesgemäßen Releaseparty in der Berliner Ofen Bar gefeiert, wo die vertretenen Künstler auftreten werden. In der Zwischenzeit könnt ihr die Alphaville-Website besuchen, wo ihr mehr über das Projekt erfahrt, alle vertretenen Songs und Künstler einsehen könnt und wo es das Album zu erwerben gibt.*