Metadaten, Label Copy & Co.

Seit längerer Zeit geistert ein Begriff namens „Metadaten“ durch die Musikwelt - für viele Musiker, Labels oder Konsumenten sind diese Daten ein Mysterium.

Seit längerer Zeit geistert ein Begriff namens „Metadaten“ durch die Musikwelt, und für viele Musiker, Labels oder Konsumenten sind diese Daten ein Mysterium. Was genau versteht man darunter, wozu dienen diese Informationen, und wo werden diese hinterlegt? Wir schauen uns das ganze mal etwas genauer an.

Was sind Metadaten

Generell versteht man unter dem Begriff „Metadaten“ (oder auch: „Metainformationen“) Datensätze, welche Merkmale einer bestimmten Datei beschreiben, jedoch nicht diese Datei sind. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach. Ich Bereich der Musik beschreibt man z.B. eine Audiodatei mit zusätzlichen Informationen wie Künstlernamen, Songtitel, Komponisten, Rechteinhaber, BPM-Angaben oder einen ISRC. Es gibt hierbei primäre und sekundäre (also weniger essentielle) Datensätze.

„Bei den durch Metadaten beschriebenen Daten handelt es sich oft um größere Datensammlungen wie Dokumente, Bücher, Datenbanken oder Dateien. So werden auch Angaben von Eigenschaften eines einzelnen Objektes (beispielsweise Personennamen) als dessen Metadaten bezeichnet“ (Quelle: Wikipedia)

Obschon dieser angewandte Begriff eher neu ist, gibt es Metainformationen bereits seit der frühen Zeit der Bibliotheken vor hunderten wenn nicht tausenden von Jahren. Gemeint ist damit die Katalogisierung, die einerseits dazu dient, Daten zu sortieren, und andererseits, Daten schneller zu finden.

Die Label Copy

Erstaunlicherweise wissen oft sogar Indie-Labels nicht, was eine „Label Copy“ ist. Spätestens aber, wenn man die erste Lizenzanfrage als Label oder Künstler erhält (z.B. für eine Kopplung mit Drittwerken = Compilation), sollte man darüber Bescheid wissen, sonst macht man sich peinlich. Unter der „Label Copy“ versteht man die Ansammlung wichtiger Metadaten wie:

Künstler, Songtitel (Mix), ISRC, Komponisten/Autoren, Verlage, Produzenten und Rechteinhaber (durch C und P definiert – siehe Link hier)

Ohne diese Angaben lässt sich kein Produkt richtig in ein System einpflegen und in den Handel bringen. Da der Geldfluss einer Zuordnung von Daten folgt, bei der entsprechende Rechteinhaber sauber identifiziert werden müssen, sollten die Angaben möglichst komplett und natürlich richtig hinterlegt sein. Fehlende Daten sind ein No-Go!

Beispiele dafür, wie Label Copies aussehen, findet man in jedem CD Booklet oder auf alten Vinyl-Sleeves.

Digitale Datensätze

Im Digitalen Zeitalter ist es einfacher geworden, Metadaten an Daten zu knüpfen. Die Metainformationen lassen sich einfach in die Audiodateien kodieren und werden damit essentieller Bestandteil. Trotzdem müssen Daten, nicht nur abrechnungsbedingt, auch irgendwo in einem System erfasst werden, denn sonst verliert man die Uebersicht. Bei Labels und Verlagen ist eine entsprechende Software und/oder Datenbank schlichtweg Pflicht! Metadaten müssen stets abrufbereit sein und internationalen Standards entsprechen.

Bei kommerziellen Audio-CD’s („Red Book Format“) kodiert man sämtliche Angaben im „CD Text“. Unerlässlich sind dort Angaben zu CD Interpret(en) und –titeln, ISRC’s („International Standard Recording Code“, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/ISRC) und Katalognummern (UPC/EAN). Der ISRC Code ist pro Titel weltweit einzigartig, und deshalb lässt sich grundsätzlich jede Aufnahme einem eindeutigen Besitzer zuweisen. Den ISRC vergibt die IFPI gegen eine einmalige Bezahlung an Labels. Diese nummerieren dann Ihre Veröffentlichungen selber durch. Analog dazu gibt es den ISWC (http://www.iswc.org/) auf Songbasis – er beschreibt die „Komposition“, nicht die Aufnahme. Diesen Code verwenden primär Urheberrechtsgesellschaften wie bspw. die GEMA und Musikverlage.

Daten im World Wide Web

In digitalen Datenbanken im World Wide Web gelten gewisse Standards, die entweder durch den Zusammenschluss verschiedener Firmen oder einzelne Organisationen beschlossen worden sind, oder von einzelnen Firmen wie Google oder Apple definiert worden sind. Ebenso bemühen sich aktuell verschiedene Verwertungsgesellschaften und Verlage um einen gemeinsamen Standard. Fakt ist: In der Vergangenheit wurde zu autark gearbeitet, und die Datenflut hat chaotische Ausmasse angenommen, die rasch möglichst behoben werden müssen. Gemeinsame Standards sind deshalb unerlässlich.

Eine wichtige Rolle spielt dabei auch Google mit YouTube: Der Dienst hat zum Streaming-Service Nr. 1 avanciert, und nicht nur Kids suchen auf YouTube gezielt nach Songs. Im YouTube CMS werden mittels Fingerprinting Audioaufnahmen abgelegt und mit anderen Aufnahmen abgeglichen. Zu den Audioaufnahmen („Sound Recordings“) gesellen sich noch weitere Datenebenen wie bswp. die Komposition („Composition“.) Im Best-Case-Scenario liegen alle Daten komplett vor, sowohl in der „Sound Recording“ wie auch auf der „Composition“ Ebene. Da diese verschiedenen Ebenen meist separat und von verschiedenen Parteien gespiesen werden, entstehen Lücken oder Fehlverknüpfungen.Hierfür ist es wichtig, dass Labels, Vertriebe, Verlage, Urheberrechtsgesellschaften und Technologieunternehmen vermehrt und auf standardisierter Ebene zusammenarbeiten und dazu beitragen, komplette und richtige Datensätze, die jedermann/-frau einsehbar sind, zu erstellen. Auch der Musiker, der einen Release plant und digital veröffentlichen möchte, steht in der Pflicht, möglichst komplette und wahrheitsgetreue Daten zu erstellen. Dies muss aus eigenem Interesse geschehen!

Die Unsichtbaren

Ein negativer Seiteneffekt, den die modernen, rein digitalen Datensätze mit sich bringen, ist die Tatsache, dass u.a. Produzenten, Arrangeure und Musiker praktisch „unsichtbar“ werden. Was zu Zeiten von CD Booklets und Vinyl-Sleeves noch unmöglich war, ist bei Digitalen Daten zum Problem geworden. Die „Credits“ bei Audiodateien verschwinden praktisch gänzlich. Die Filmindustrie ist davon nicht betroffen, da der Abspann selbst bei digitalen Kopien noch vorhanden ist und auch weiterhin prominent platziert wird. Hingegen sieht man bei Audiofiles meist nur den Interpreten, den Songtitel und das Label. Stimmen werden lauter, dass dies endlich korrigiert werden sollte.