Als Musiker auf Tour – Interview mit Adam Wendler

Wir haben den Sänger Adam Wendler getroffen. Wenn du gerade deine nächste Tour vorbereitest, dann ist dieses Interview genau das Richtige für dich

Wir haben den talentierten Indie-Folk-Sänger Adam Wendler zwischen zwei Stationen seiner aktuellen internationalen Tour getroffen und haben ihn nach seinen persönlichen Erfahrungen und Anekdoten zum Tourleben gefragt. Wenn du gerade deine nächste Tour vorbereitest, dann ist dieses Interview genau das Richtige für dich.

1/ Bitte stell doch dich und dein aktuelles Projekt vor.

Ich heiße Adam Wendler, ich mache Indie-Folk-Pop und bin in Kanada geboren und aufgewachsen. In meiner Heimatstadt habe ich meine musikalische Karriere mit einer Band angefangen und bin seit einiger Zeit Solokünstler. Ich habe bis jetzt eine EP und Album veröffentlicht und bin gerade dabei, ein zweites aufzunehmen.

2/ Wann bist du das erste Mal auf Tour gegangen und wie war das für dich? Was hat sich im Vergleich zu damals bei deiner jetzigen Tour verändert?

Als ich die High School abgeschlossen hatte, habe ich zusammen mit einem Freund eine Rundreise durch Europa gemacht und Straßenmusik gespielt. Wir haben auf der Straße musiziert, wo immer wir wollten und haben spontane Gigs wahrgenommen, wenn sich was ergeben hat. Das war im Prinzip meine erste Tourerfahrung, auch wenn sie komplett ungeplant war.

Danach bin ich weiter viel gereist und habe kleine Auftritte mitgenommen, zudem habe ich mit meiner Band ein paar kleinere Touren in Ontario absolviert.

Meine erste richtige Solo-Tour habe ich dann im Sommer 2017 in Deutschland absolviert, und da war alles dabei von kleinen Cafés und Wohnzimmerkonzerten bis hin zu Festivals.

Jetzt, wo ich eine gewisse Tourerfahrung vorweisen kann und eine größere Fanbasis aufgebaut habe, habe ich viele Shows an Orten, wo ich schon einmal war, und wir können auch sehen, dass immer mehr Leute zu den Gigs kommen.

3/ Was sind die besten und die schlechtesten Momente, wenn man als Musiker unterwegs ist?

Die schönsten Momente auf Tour sind die, wo alles glatt läuft: wenig Verkehr, pünktlich ankommen, keine Autopannen oder andere Hindernisse und einen gesicherten Schlafplatz. Und natürlich freue ich mich immer besonders, wenn ich zum ersten Mal wo spiele und merke, dass das Publikum meine Musik mag und Leute mitsingen oder tanzen. Solche Momente sind all die Mühe wert.

Im Gegenzug gibt es auch solche, wo einfach alles schiefzulaufen scheint. Wenn das Auto streikt, wenn man unerwarteteterweise in einen Stau gerät, oder wenn es vor Ort im Club technische Probleme gibt. Ich hab auch schon einige Nächte in einem kalten Auto verbringen müssen, wenn es keine Übernachtungsmöglichkeit für mich gab. Aber selbst solche Tage sind auf ihre Weise denkwürdig.

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4/ Wirst du beim Songwriting durch deine Reisen inspiriert? Sammelst du Ideen und schreibst und nimmst sie auf, wenn du zuhause deine Ruhe hast oder bist unterwegs kreativ?

Im Allgemeinen versuche ich immer zu schreiben, wenn ich freie Zeit habe, zuhause wie unterwegs.

Ich habe jedoch festgestellt, dass ich die besten Stücke schreibe, wenn ich viel Zeit und Ruhe habe. Ich bin definitiv überzeugt, dass das Reisen mir eine Menge Inspiration gibt, und ein Lebenswandel, in dem es keine festen Tagesroutinen gibt, scheint dem kreativen Prozess zuträglich zu sein. Manchmal fällt mir etwas ein, wenn ich gerade in die nächste Stadt fahre, dann schreibe ich das auf und arbeite daran, sobald ich einen geeigneten ruhigen Ort dafür gefunden habe.

Die meisten meiner Aufnahmen mache ich in der Nähe meiner kanadischen Heimatstadt, also schreibe ich Stücke, wo immer sie mir einfallen und dann nehme ich mir eine gewisse Zeit zuhause, um sie aufzunehmen.

5/ Wie viel planst du im Voraus, und wie viel überlässt du der Improvisation, wenn du tourst?

Meine Managerin beginnt mit dem Booking einige Monate im Voraus, generell gilt: Je früher, desto besser. Wir haben allerdings festgestellt, dass Clubs in Kanada ihre Shows erst ein, zwei Monate im Voraus ansetzen, wohingegen in Deutschland deutlich weiter in die Zukunft geplant wird. So oder so, es ist empfehlenswert, sich frühestmöglich zu kümmern.

Wir versuchen, so viele Shows zu bekommen, wie wir logistisch bewerkstelligen können. Wir sind jedoch immer offen für spontane Gigs, Interviews und Aufnahmesessions, wenn gerade keine anderen Termine gebucht sind.

6/ Was sind die Herausforderungen und die Belohnungen als fahrender Künstler?

Herausforderungen gibt es immer ein paar, finanzielle, logistische und die Promo betreffend.

Es ist wichtig, wenigstens eine grobe Idee zu haben, wie viel du mit der Tour einnehmen wirst, damit sichergestellt ist, dass du deine Kosten decken kannst oder im besten Fall einen kleinen Gewinn machen kannst, den du in deine nächsten Projekte investieren kannst.

Es kann schwierig sein, eine Tour perfekt zu planen, dass wir gut von Stadt zu Stadt kommen, ohne zurückgehen zu müssen. Manchmal gibt es auch Transportschwierigkeiten, die zu lösen sind.

Die andere Sache ist, sicherzustellen, dass jeder Auftritt einigermaßen anständig besucht wird. Generell wird es diesbezüglich immer besser, je mehr ich unterwegs bin.

Als Musiker auf Tour zu sein ist definitiv sehr belohnend. Es macht einfach riesigen Spaß, und man trifft großartige Menschen, wo immer man auch hinkommt. Ich liebe es ja an sich schon zu reisen, für mich gibt es also keine bessere Art, neue Orte kennenzulernen. Das Allerbeste daran, an neuen Orten zu spielen ist jedoch, wenn ich merke, dass die Leute Spaß haben und meine Musik genießen.

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7/ Du hast deine vorherige Band verlassen, um solo unterwegs zu sein. Was sind die Vorteile und Nachteile an den jeweiligen Konstellationen, wenn man auf Tour ist?

Einer der größten Vorteile ist es, dass esviel einfacher ist, für eine Person zu planen als für eine ganze Band.Wenn ich meiner Managerin sage, dass ich in einem gewissen Zeitraum so viele Shows spielen will wie möglich, dann bucht sie alles, was sie bekommen kann und muss nicht bei jedem Mal nachfragen, ob der Termin bei mir geht oder nicht. Außerdem, wenn nur ich zu berücksichtigen bin, gibt es weniger Schwierigkeiten in Sachen Unterkunft und Verpflegung.

Der größte Nachteil daran, solo zu spielen, ist, keine Band auf der Bühne zu haben, mit der man jammen könnte. Wenn Musiker zusammen spielen, die eine gute Chemie untereinander haben, erzeugt das eine tolle Dynamik. Ich kann diese meistens auch alleine erreichen, aber manchmal dauert es länger, bis ich richtig warmgelaufen bin. Zudem macht es einfach riesigen Spaß, als eine Bande von Kumpels von Ort zu Ort zu fahren.

8/ Was kannst du Musikern empfehlen, die wie du ein intensives Tourleben anstreben?

Ich finde es schlauer, mit Shows im näheren Umfeld anzufangen. Versucht zuerst, die Entfernungen gering zu halten, um die Reisekosten zu senken und euch mit der Bühnensituation vertraut zu machen. Es ist auch sinnvoll, zuerst die kleineren Locations zu bespielen, die ihr füllen könnt. Es ist immer besser, in einem kleinen Club zu spielen, der gut gefüllt ist, als in einem großen, in dem sich dann ein paar Leute verlieren. Mit wachsender Erfahrung könnt ihr euch dann in weiter entfernte Orte und größere Locations vorwagen. Je mehr Shows ihr spielt, desto besser werdet ihr.

Insgesamt ist es meiner Meinung nach besser, die Erwartungen nicht allzu hoch anzusetzen und die Erfahrungen zu genießen. Nicht jedes Konzert wird voll jubelnder Fans sein, aber bleibt trotzdem dran und habt so viel Spaß wie möglich, was immer auch passiert.

Höre dir die Playlist „Travelling & Songwrting“ von Adam Wendler an: